Beifuß – eine Pflanze für Küche und Heilkunde
Wer jetzt im Spätwinter draußen unterwegs ist, dem fallen die mannshohen, dunkelbraunen Stängel des Beifußes an Weg- und Wiesenrändern sicherlich auf. Besonders wer etwas davon erntet, zerreibt und daran riecht, wird merken, dass es sich hier um eine ganz besonders starke Duftpflanze handelt. Beifuß gilt als „die Hüterin der Schwelle“, was sich sowohl auf die medizinische Verwendung als auch auf den mythologischen Hintergrund bezieht.
Steigerung der Heilkräfte
Räucherungen mit Beifuß bewirken eine Steigerung der körpereigenen Heilkräfte für Körper und Seele, Neuorientierung und Schmerzbewältigung. Als eine der ältesten Ritualpflanzen wurde der Beifuß schon in der Antike als Schutz- und Reinigungspflanze eingesetzt, um böse Geister zu vertreiben. Eigene Räuchermischungen lassen sich auf Beifußbasis schnell herstellen und wirken tiefer und stärker als gekaufte Mischungen aus Übersee. Dazumischen kann man getrockneten Rainfarn, Salbei aus dem Garten, selbstgesammelte Harze von heimischen Nadelgehölzen, Mädesüß und andere Duftpflanzen. Kelten und Germanen war der Beifuß heilig und sie setzten ihn für Fruchtbarkeitsrituale ein. Im Mittelalter galt er als Hexenkraut und wurde eingesetzt, um Felder, Höfe und Vieh vor bösem Zauber zu schützen. So flocht man zur Sommersonnenwende aus Beifuß Sonnwendgürtel und Kränze. Beifuß lässt sich hervorragend im Herbst ernten und trocknen und findet in der Küche als Gewürz besonders für fette (Fleisch-)Speisen und Brot Verwendung.
Extra-Tipp
Beifuß ist allgemein kräftigend, verdauungsstärkend, antiseptisch, stärkt die Manneskraft, wirkt bei Kopfschmerzen und wird in der Frauenheilkunde – zur Geburtenkontrolle und Geburtsbegleitung – verwendet. Ganz besonders hebt er sich jedoch durch seine stark wärmende Eigenschaft hervor, die schon über seinen Duft wirksam wird und einzigartig ist.
Aromatisches, wärmendes Beifuß-Brot
- 1,2 kg griffiges Mehl, 400 ml Wasser
- 1 TL Zucker, 1 Würfel Germ (42 g)
- 400 ml Sauermilch
- 100 g weiche Butter
- 100 g feiner Weizengrieß
- 2 gestrichene TL Salz
- ca. 4 EL Beifußblüten, abgerebelt
Zubereitung
In einer großen Rührschüssel Zucker und Germ im warmen Wasser auflösen, mit einigen Esslöffeln Mehl zu einem Dampfl verrühren und mit einem Tuch abgedeckt 20 bis 30 Minuten im Warmen gehen lassen, bis sich die Masse etwa verdoppelt. Restliches Mehl mit Salz, Sauermilch, weicher Butter, Grieß und Beifußblüten mit dem Dampfl zu einem glatten Teig verkneten und zugedeckt eine Stunde gehen lassen. Aus dem Teig zwei runde Laibe formen und auf ein Backblech setzen, abgedeckt nochmals 30 Minuten gehen lassen. Das Brot in den kalten Ofen schieben und bei 200 °C etwa eine Stunde backen.